Wir brauchen mehr Yin

Yin Yoga ist nicht als Gegensatz zu den Muskel beanspruchenden „Yang Yoga-Stilen“, zu denen Hatha-Yoga, Vinyasa-Flow, Ashtanga, Kundalini usw. gehören, zu verstehen, sondern als Ergänzung.

Während die meisten der genannten Yogastile auf die Bearbeitung der Muskulatur abzielen, wird in dieser Yoga-Richtung das Yin-Gewebe, also die Gelenke, das Bindegewebe, die Bänder und sogar die Knochen bearbeitet. Wie soll das denn gehen? Gelenke und Knochen bearbeiten? Ganz einfach, wie beim Prinzip der Zahnspange können wir durch langes, statisches Halten sogar dieses sehr feste Material beeinflussen.

Im Yin-Yoga werden die Asanas lange gehalten. Zwischen drei und zwanzig Minuten. Dieses lange Halten bewirkt vor allem zwei Dinge: Zum einen wird dem Körper Zeit gegeben sich langsam zu öffnen und nachzugeben, wodurch die Muskeln (die dem Yang Prinzip zugeordnet werden) irgendwann los lassen können und wir dadurch an die tieferen (Yin-)Schichten des Körpers (Gelenke, Knochen, Binde- bzw. Fasziengewebe) kommen und zum anderen tritt die Beschäftigung mit den eigenen Gedanken und Gefühlen in den Vordergrund. So hat man Zeit emotionale Themen zu bearbeiten oder gar in einen ruhigen, meditationsähnlichen Zustand zu gleiten. Auch das ist eine Yin Qualität, die in unserem meist aktiven, stressigen und daher Yang lastigen Alltag viel zu kurz kommt. Du wirst zunehmend eine meditative Haltung einnehmen und merken, dass Energie genau da fliesst, wo deine Aufmerksamkeit ist. So schulst Du deine Körperwahrnehmung und auch die Fähigkeit zu entspannen.

Unser Leben ist geprägt von Dualismus. Yin wird dem weiblichen Prinzip zugeordnet, dem Mond, der Nacht, der Ruhe und Passivität während Yang für das männliche Prinzip steht, wie die Sonne, der Tag, die Kraft und Aktivität. Auch wenn ein Prinzip meistens vorherrschend ist, sind immer beide Aspekte vorhanden. So wie das wunderschöne Yin-Yang Symbol aus dem Daoismus es darstellt. Ohne Licht gibt es keinen Schatten, ohne Kälte keine Wärme. Alles ist ständig im Wechselspiel.

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Yin Yoga massiert, befeuchtet, entknotet und entfilzt unser Fasziengewebe, das sich überall im Körper befindet und oft auch für Schmerzen, für die keine genaue Ursache gefunden werden kann, verantwortlich ist. Gute Beispiele hierfür sind die große Lumbalfaszie im Lendenbereich oder auch das Fasziengewebe in der Schulter-, Nackenpartie.

Wenn Du dich näher für das Thema Faszien interessierst, kann ich Dir zwei wirklich interessante Dokumentationen ans Herz legen.

Quarks & Co Geheimnisvolle Faszien – Neues vom Rücken, WDR

Übrigens, Yin Yoga fördert auch einen tiefen und erholsamen Schlaf.

In diesem Sinne, Gute Nacht. Eure Claudia

 

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